Herne & Wanne-Eickel

Campen zwischen Artefakten und Aperitivi

Das rotarische Jahr neigte sich dem Ende zu. „Eine kleinere Sozialaktion noch“, das sollte es werden. Als im Februar gechartert wurde, versprach der Club Herne und Wanne-Eickel, die Gaben aus Papier und Kupfer dem ShelterBox e.V. zukommen zu lassen. Nach einem unvergesslichen Abend kam die Freude: Beinahe die Hälfte einer ShelterBox in Summe war zusammengekommen.
Aber damit gaben wir uns noch nicht zufrieden: Mehr sollte es werden.

Von Patrick Backer | RAC Herne & Wanne-Eickel

Übernachten in einem ShelterBox Zelt mitten in der Innenstadt von Herne? Das sorgt für Aufmerksamkeit und macht eine einfache Aktion zu einem richtigen Erlebnis. – Foto Vincent Layes

Durch den letzten BestAct inspiriert, sollte eine eigene Box auf ihren Weg geschickt werden, sodass Menschen, die ihr Heim verloren hatten, zumindest ein Zeltdach über dem Kopf hätten. Nach einigen Gesprächen mit Freunden aus anderen Clubs entschieden wir uns für eine 24-Stunden-Übernachtungsaktion mit Kuchenverkauf, Kaffeeausschank und einer ShelterBox zum Besichtigen. Die Stadt Herne unterstützte uns bei der Abwicklung aller Formalia. Das Wochenende fiel auf die jährliche „Kulinarische Symphonie“ in Herne. Auf einem zentral gelegenen Ort bauten wir in engagiert chaotischer Art den Stand auf und richteten die ShelterBox wohnlich ein. Wir legten Flyer für Nachfragende aus und warteten auf die ersten Passanten.

Das Wetter am Aktionstag war super! – Für uns ein großer Nachteil! Trotz idealer Voraussetzungen für einen super Start einer Sozialaktion dürstete es die Passanten nach kühlen Getränken; sie gierten nach Eis und etwas Leichtem zu Essen.

Das von den Clubmitgliedern gestellte Kuchenanbot war aufgrund der mitgebrachten Kuchenspende beinahe erschlagend – Kuchen ist alles andere als leicht. Wir bemühten uns, den Kuchen gut zu vermarkten, um dann auf die ShelterBox zu sprechen zu kommen, aber viele Passanten blockten ab, wollten ihren Hunger auf der Symphonie stillen oder waren in Eile.

Erst nachmittags, als es etwas kühler wurde und die Passanten nicht auf Kuchen, sondern direkt auf die ShelterBox angesprochen wurden, florierte das Geschäft. Zwei junge Männer waren dermaßen fasziniert, dass sie vermutlich demnächst als Gäste bei Rotaract anzutreffen sind. In der Nacht bekamen die Zeltbesetzer kein Auge zu.

Wenn nicht gerade jemand versuchte, in das Zelt einzusteigen, daran zu rütteln, oder ohne Grund wild durch die Gegend schrie, kam die Polizei vorbei, die von einem Zelt gehört hatte, das aus dem angrenzenden Archäologie-Museum entwendet worden wäre.

Am nächsten Morgen wurde dann der Stand wieder aufgebaut, aber der Sonnenschein des Vortags blieb fürs Erste aus. Blitze zuckten, der Regen fiel in dicken Tropfen und es waren kaum Passanten unterwegs. Der Priester der Kreuzkirche, neben der wir Stellung bezogen hatten, schaute verdutzt herüber. Wir erklärten ihm, warum ein Zelt und ein Pavillon aufgebaut waren, und so kamen noch vereinzelt Gemeindemitglieder nach dem Gottesdienst, die allesamt eine Gabe da ließen.

Und schon wieder: Kaum einer wollte Kuchen. Was sollen sechs Rotaracter mit 15 Kuchen?!

Richtig: verschenken. Das Geschäftsmodell wurde geändert, Kuchen und Kaffee umsonst
an die Passanten verteilt und nach einem kurzen Gespräch bekam man plötzlich innerhalb
von zwei Stunden fast so viel zusammen wie am gesamten vorherigen Tag. Am Ende war es die beste Idee, den Kuchen, für den wir keine Ausgaben hatten, und den Kaffee, der in der Produktion billig war, zu verschenken.

Mit dieser Aktion sind wir nun nicht weit von einer ShelterBox entfernt. Sicher ist dies keine Faustregelerkenntnis, aber sie zeigt, dass man oft durch Geben mehr erhält, als man durch einen Verkauf einnehmen könnte. So konnten wir mit unserer Aktion einen Unterschied machen und hoffen, dass wir euch mit unseren Erfahrungen vielleicht auch zu
einer 24-Stunden-Aktion motivieren können – denn wir haben nicht nur 340 Euro eingenommen, sondern hatten auch eine tolle Zeit und konnten zwei neue Leute für unseren Club begeistern.