Berlin

Gutes tun – ein Schülerwettbewerb

Sie nennen sich Kräuterhexen, Notfallmonster oder auch Pfotenfreunde – und sind die Gewinner einer außergewöhnlichen Idee: Rotaract Deutschland hatte im Rahmen der diesjährigen Bundessozialaktion Schülergruppen zu einer „Doing Good Challenge“ aufgerufen. Sie sollten in Teams von drei bis fünf Mitgliedern eine eigene Sozialaktion umsetzen. Fast 11.000 Schüler fühlten sich angesprochen. Jetzt wurden die besten Projekte in Berlin ausgezeichnet.

Von Matthias Schütt | Rotary Magazin

Die Idee, Senioren das Smartphone näher zu bringen und ihnen dadurch eine ganz neue Welt zu eröffnen begeisterte die Jury der Doing Good Challenge besonders. Aber auch andere Projekte vielen durch besondere Individualität und Kreativität auf. – Foto Matthias Schütt

Sechzehn Projekte hatten den Sprung ins Finale geschafft und zeigten ein breites Spektrum von Hilfsmöglichkeiten, die oft schon mit relativ kleinem Aufwand große Wirkung erzielen können. Allesamt waren preiswürdig, weil sie, wie der Vorsitzende des Rotary Deutschland Komitees, Tobias Oelfke, betonte, „unsere Gesellschaft durch ihr Engagement schöner gemacht haben“.

Am schönsten, um im Bild zu bleiben, fand die Jury das Projekt „KT Sozial“ der Kurt-Tucholsky-Schule in Flensburg. Hier hatte sich eine Schülergruppe überlegt, Senioren im Gebrauch von Smartphones zu trainieren und ihnen damit einen Zugang in die moderne Kommunikationswelt zu verschaffen. Die Flensburger Schüler erhielten den Hauptpreis, eine zweiwöchige Reise in die US-Hauptstadt Washington D.C. Diese, wie die anderen Preise (Reisen nach Athen, Mailand, Malmö und Margate sowie zehn Wochenend-Trips in den Europa Park) waren dank rotaract-typischer gewiefter Werbung  vollständig über Sponsoren finanziert worden. Als Hauptsponsor hatte das Bundesfamilienministerium 25.000 Euro zur Verfügung gestellt. Insgesamt wurden rund 80.000 Euro für die Aktion eingeworben.

Die Smartphone-Experten aus Flensburg erhielten neben dem Hauptpreis auch eine Nominierung für den Deutschen Engagementspreis 2017, der im Dezember in Berlin verkündet werden soll. Dort werden sie das Kaffee-Team der Abt-Besseler-Realschule in Buchen wiedertreffen, das von Rotaract mit einem Sonderpreis von 1500 Euro ausgezeichnet wurde. Hinter ihrem Projekt „Namaste Nepal sAG Buchen“ steckt eine Schüler-Firma, die Kaffeebohnen von Bauern in Nepal einkauft, hier rösten und verpacken lässt und den Vertrieb organisiert. Der Einkauf sichert den Lebensunterhalt von 180 Familien, auch der Erlös aus dem Kaffeeverkauf fließt  zurück in humanitäre Projekte in Nepal.

Die “Namaste Nepal sAG” verbindet eine Leidenschaft der Deutschen mit humanitärer Hilfe: Das Kaffeetrinken! Der Erlös des Kaffebohnenverkaufs sichert nicht nur das Einkommen der Kaffeebauern in Nepal, sondern geht auch an wohltätige Zwecke in der Region. – Foto Matthias Schütt

Auch andere  Projektideen versetzten die Zuhörer in Erstaunen: Basteln mit Kindern in einem Hospiz, ein Frühlingsfest für Demenzkranke, gemeinsames Kochen mit sozial Benachteiligten und Menschen mit Migrationshintergrund, das Verschönern von Flüchtlingsunterkünften, eine Ratgeberfibel für Schüler in Notsituationen, eine Spendensammlung für Tierfutter zur Unterstützung von Tafel-Kunden, ein Wunschbaum und anderes mehr. Sie alle zeigen beispielhaft, wie sensibel junge Menschen auf soziale Notlagen in ihrer Umgebung reagieren.  Allein an der Erich-Kästner-Realschule in Brühl fanden sich zur „Challenge“ zwölf Teams zusammen. Das brachte ihr den Schulpreis in Höhe von 3000 Euro ein.

Sie tun viel für andere, diese jungen Leute, aber nützen auch sich selbst. Mirijam Junker-Ojo, die für das Bundesfamilienministerium die Preise überreichte, erläuterte in ihrem Grußwort, das rein statistisch jeder Mensch, der sich engagiert, durchschnittlich eine um sieben Jahre höhere Lebenserwartung hat. Darüber mag man lächeln, kaum aber über diese harten Fakten: Fast jeder zweite aus der Altersgruppe 14 bis 29 Jahre ist sozial engagiert. Und, besonders erfreulich nicht nur aus Sicht der Organisatoren: 62 Prozent der „Challenge“-Teilnehmer, das sind gut zwei Drittel, hat angekündigt, ihr Projekt auch nach Ende des Wettbewerbs weiterzuführen.

Damit haben die deutschen Rotaracter einen bemerkenswerten Beitrag zum nachhaltigen ehrenamtlichen Engagement junger Menschen ausgelöst. Dass sie damit zugleich wertvolle Öffentlichkeitsarbeit für Rotaract in Interact in einer umworbenen Zielgruppe geleistet haben, erhöht noch den Wert dieser Doing Good Challenge.

Mit dem rotarischen Jahreswechsel ist die „Challenge“ ausgelaufen, aber das heißt nicht, dass sie verschwinden wird. Wie der geistige Vater, Andreas Laschke, RC Trier, mitteilt, wurde inzwischen ein eingetragener Verein gegründet, der die Idee weiterführen soll. Wär ja auch schade, wenn dieser Anreiz für gute Taten einfach wieder verschwinden würde.

Artikel auf rotary.de lesen