Begegnungen mit viel Herz und Tee

Meine Reise in den Iran

Es ist gar nicht so einfach, ohne Vorurteile durch die Welt zu gehen. Wenn man sich aber doch auf diesem Pfad bewegt, erlebt man oft die schönsten Momente. In dem folgenden Artikel nimmt uns Patrick mit auf seiner Reise durch den nahen Osten.

Wie im Traum, denke ich an ein Land zurück, das mich so sehr beeindruckt hat. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann war es nicht das Land, das mich mit der Vielseitigkeit seiner Landschaft und Klima, atemberaubender Architektur oder sagenumwobenen Naturwundern fasziniert hat. Es waren die Menschen, die durch ihre Ethnien, Lebensweisen und -umstände nicht unterschiedlicher sein könnten und doch in einem Umstand geeint erscheinen: ihre unendliche Herzlichkeit und Offenheit.
Als Sinnbild dessen fällt mir unser Aufenthalt in Tapas ein, einer Wüstenstadt im Herzen des Irans. Ein Kontakt über Couchsurfing hat, ohne ein Wort mit uns kommunzieren zu können, alles für uns organisiert: Neben Familie und Arbeit, verbrachte er zwei Tage mit uns im wunderschönen Canyons, kletterte in menschengemachte Höhlen, chauffierte uns, kochte für uns Tee, lud uns unzählige Male ein und schenkte uns zum Abschied sogar einen handgemachten bronzenen Becher. Dass er uns derart uneigennützig seine Heimat gezeigt und uns zu Freunden gemacht hat, beeindruckt mich bis heute.
Und doch dient diese Geschichte nur als Sinnbild für so viele:
Hirten teilten ihren selbstgemachten Käse, junge Iraner tanzten mit uns zu persischem Techno, Studentinnen bezahlten einen Stadtführer, um sich mit uns zu verständigen. Täglich wurden wir zum Tee eingeladen, Tramper gaben uns zum Dank Gebäck und Äpfel und mit einem Host durften wir in einer Moschee einem von Gesang und Spiritualität umgebenden Trauerritual beiwohnen.
Ich könnte noch von unzähligen weiteren Erlebnissen erzählen.
Ich möchte damit nichts beschönigen. Im Iran läuft nicht alles gut. Aber an eines müssen wir immer denken: die Menschen können nichts für die Umstände und das haben sie mir während unserer Reise bewiesen. Tag für Tag aufs Neue, mit sehr viel Herz und Tee.

Von Patrick Saiger | RAC an der Donau